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Dieses Thema hat 38 Antworten
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 These 1 Fritz Osterwalder - Die öffentliche Volksschule kann viel aber nicht ...
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admin Offline

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Beiträge: 157

06.02.2009 00:55
These 1: Fritz Osterwalder: Die öffentliche Volksschule kann viel aber nicht ... antworten
Fritz Osterwalder: Die öffentliche Volksschule kann viel aber nicht alles - die öffentliche Volksschule darf/soll nicht alles tun, was sie kann.
PENSKHK Offline

Besucher
Beiträge: 1

03.03.2009 17:24
#2 Benchmarking auf jeder Ebene gleich Qualitätststeigerung? antworten
Und wie oft hat mir als Lehrer einfach die Zeit gefehlt, das zu verwirklichen, was ich geplant hatte. In den letzten Jahren kamen laufend neue Aufgaben auf die Schule zu und wo blieb das "Kerngeschäft"? Weit gehend auf der Strecke! Zentrale Inhalte wie eine tragfähige Beziehungsebene zu den Kindern und zum Klassenganzen, wozu das Gespräch und die Muse - auch Musse - gehören, haben einer sog. Qualitätststeigerung Platz gemacht oder sind auf die hinteren Ränge verwiesen worden. Benchmarking auf jeder Ebene! Muss das die Schule? - Sie kann es, aber will sie es auch?
Cheyenne Offline


Beiträge: 3

04.03.2009 20:47
#3 Freie Schulwahl antworten
Dann sollen aber die Eltern diejenige Schule auswählen dürfen, die diejenigen Ziele verfolgt, die auch die Eltern als richtig erachten.
Pro Schüler werden 17'000 CHF von den Steuerzahlern ausgegeben - für dieses viele Geld sollten die Eltern auch das Gefühl haben, dass die Bedürfnisse ihres Kindes optimal beachtet werden.
Wenn eine Schule hauptsächlich Integration der Ausländer betreibt - und dies weiss ich als Insider - dann sollen die Schweizer Eltern wählen dürfen, ob dies für ihr eigenes Kind das Richtige ist.
Es ist eine Frechheit, dass Schweizer Mittelklasse Eltern zügeln müssen, um ihr Kind an die gewünschte öffentiche Schule schicken zu dürfen (und am neuen Ort einen kaum bezahlbaren Mietzins vorfinden).
In der Schule werden Beziehungen, Gruppendynamik, Team etc. immer so betont - und trotzdem gibt es Mobbing und Gewalt und immer mehr Schulsozialarbeiter sind nötig. Warum denn?
steinwegerSEK Offline


Beiträge: 4

10.03.2009 14:35
#4 These 1: Die Welt ist um ein vieles komplizierter, unüberschaubarer und komplexer geworden! antworten
Wir müssen es uns und unseren Schülern eingestehen: Die Welt ist um ein vieles komplizierter, unüberschaubarer und komplexer geworden! An dieser Tatsache scheitert unsere Volksschule, und sie wird es immer tun, wenn sich bei Fragen ums Kerngeschäft, Methodik oder Lehrerfortbildung und dergleichen mehr die Gemüter erhitzen.

Als ich im 1963 die erste Klasse besuchte, waren unsere Nachbarn die ersten, die einen Fernseher hatten, schwarzweiss mit Antenne im Zimmer, später auf dem Dachboden. 1 Sender halbwegs scharf, die andern, wenn schon, dann höchstens ein Testbild wärend einer gewissen Sendezeit. Ein bisschen später entschied man sich entweder für eine Akademikerlaufbahn, eine kaufmännische, oder dann fürs Handwerk, wobei die Auswahl übersichtlich und die beruflichen Aussichten klar definiert waren. Samstags gingen wir morgens in die Schule, mein Vater arbeitete bis 1600h und als er dann später mal schon um 1200h ins Wochenende entlassen wurde, wurde der grosse Durchbruch gefeiert. Wie lange dauerte da noch die obligatorische Schulzeit? 9 Jahre! Und wie lange dauert sie heute? Die gleichen (nur!)9 Jahre, bei (nur!)5 Tagen die Woche. Dies, obschon die Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit des Wissens rasant zugenommen haben. Nur schon diese Tatsache sollte zu denken geben…

Als ich dann mit 20 volljährig wurde, mampften wir in der RS einen Schoggikuchen und tranken dazu nicht nur Schwarztee. Die Ausbildung war bei den meisten fast fertig und das Berufsleben stand vor der Tür. Rosige Aussichten, sehr konkret, kein: Mal schauen, wie's weitergeht. Heutzutage sind die Jungs und Mädels mit 18 volljährig, mündig, haben dabei weder eine Ausbildung oder in vielen Fällen nur eine auf Zeit, denn wer weiss schon, wie der Beruf morgen heisst, den wir heute mit unseren Klassen im BIZ anschauen. Es gibt ihn gar nicht mehr, er heisst anders, das Aufnahmeverfahren wurde geändert, das Profil umgestaltet, die Schule geschlossen, oder was auch vorkommt, die Firma kann keine Lehrlinge aufnehmen, zu unsicher die wirtschaftliche Situation.

Kollegen und Kolleginnen, Eltern und Politiker, das sind die echten Probleme, der sich die Schule gegenüber sieht! Warum? Weil sie dafür sorgen soll, dass sich unsere zukünftigen AHV-Bezahler und Krankenpfleger, Bus- und Taxichauffeure, Maurer und Autotechniker in einer orientierungs- und haltlosen Welt nicht nur zurecht finden, sondern diese womöglich zu einem Guten wenden können. Was reden wir da über Frühenglisch, Ateliers oder Frontalunterricht, sind wir denn so blind gegenüber der Realität geworden! Solange die Volkschule nicht erkannt hat, und damit meine ich ihre Befürworter und Kritiker zu beiden Teilen, welche Verantwortung sie tatsächlich hat in diesem konzeptlosen Wirrwarr von Globalisierung, wird sie in der heutigen Zeit keine Akzente setzen können.

Nur ein Zusammensitzen ihrer Vertreter, die es sich zum Ziel gesetzt haben, um unserer aller Willen die Ruder zu ergreifen, sich zu erst einmal mit einer völlig veränderten und sich täglich verändernden Situation zurecht zu finden, könnten erste Schritte auf dem Weg zu einer kompetenten und starken Schule sein. Sie soll öffentlich werden, meinungsbildend, offensiv, konkret, konzentriert, politisch kritisch, aktiv und selbstbewusst. Die Schule kann bei weitem nicht alles, aber sie soll wenigstens etwas richtig! Davon zeugen die vielen Lehrkräfte, die immer noch jeden Morgen um 0700h im Schulhaus stehen und alles daran setzen, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber den Jungen und Alten gerecht werden.
SEKlausELT Offline


Beiträge: 2

12.03.2009 13:12
#5 RE: Benchmarking auf jeder Ebene antworten
Das sog. Kerngeschäft, das hier angesprochen wird, ist heute nicht mehr gefragt. Da die ö.VS. von politischen und wirtschaftlichen Interessen dominiert ist, sind Kerngeschäfte, wie sie aus pädagogischer Sicht gesehen werden, nicht relevant. Wenn ein Politiker von einem Kerngeschäft spricht, denkt er dabei an Programme und Statistiken, Wählerzahlen und Volkswirtschafsbelange.
Ein Pädagoge hingegen sieht der Realität täglich ins Auge und ist genötigt, mit ihr jetzt, heute, unmittelbar in eine Beziehung zu treten. Ein Pädagoge kann sich nicht auf mildernde Umstände verlassen, keinem Börsenkollaps die Schuld in die Schuhe schieben, er sieht seine Ideale augenblicklich an der Realität gemessen und in ihr korrigiert. Einem Pädagogen wird in jedem Moment auf die Finger geschaut, er ist eine öffentlicher Kritik ausgesetzte Person, ein Vorbild, ein Bildner und Ausbildner. Von ihm werden Taten und Resultate verlangt, von Kindern, Schülern und Erwachsenen. Sein Kerngeschäft ist die Erziehung, das des Politikers ist die Einbettung der Pädagogik in gesellschaftliche Zusammenhänge. Was passiert heute mit uns?
Von den Pädagogen wird verlangt, dass sie ihr Kerngeschäft den Programmen der Politik unterordnen, wo doch nicht einmal solche vorhanden sind! Gleichzeitig massen sich die Politker an, in die Kerngeschäfte der Pädagogik programmatisch ein zu wirken, ohne die Ausbildner anzuhören, geschweige denn, ihre jahrelange Erfahrung in Entscheidungsprozessen mit zu berücksichtigen. Es ist doch so, dass Pädagogik in jedem Falle vor oder über der Politik steht, schon rein entwicklungsgeschichtlich betrachtet. Ich komme aber nicht umhin zu vermuten, dass es unseren Zürcher Politikern sehr daran gelegen ist, die Pädagogik durch ihre Politik zu ersetzen. So könnten sie sich in Zukunft die Massen gefügig machen, dann, wenn die zukünftige, junge Lehrergarde nicht mehr weiss, was denn das eigentlich soll mit dem pädagogischen Kerngeschäft - oder sollte ich sagen, mit dem politischen Kerngeschäft -?
andere Elternschule Offline

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Beiträge: 74

18.03.2009 21:02
#6 RE: Benchmarking auf jeder Ebene antworten

Treffend, sehr treffend. Deshalb müsst Ihr Euch wehren, nicht fragen, was mit Euch passiere. Euch zusammenschliessen, etwas bewirken, LEBEN, in Aktion gehen, Euch einsetzen, für das, für was Ihr geht, wenn Ihr denn wirklich dafür geht!? Nicht alles brav schlucken, was von oben, von der Politik kommt. Es ist nie etwas in Stein gemeisselt! Wehret Euch doch mal, setzt Euch für Eure Werte in der Pädagogik ein! Tut was. Wachet auf!

sek blades Offline


Beiträge: 5

21.03.2009 09:22
#7 These 1: das Auffangbecken alles Gesellschaftlichen antworten
Die öffentliche VS wird immer mehr als das Auffangbecken alles Gesellschaftlichen angesehen und sie soll all diese Probleme lösen. Wo sind denn da die Eltern? Die sollen ihre Aufgaben wieder wahr nehmen.
SEKelevator Offline

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Beiträge: 20

22.03.2009 10:57
#8 These 1: Die öffentliche Volksschule kann viel ... Schlagwort Frontal-Unterricht antworten
Das blöde Schlagwort Frontalunterricht


Bei bildungspolitischen Diskussionen scheint sich im Schlagwort „Frontalunterricht“ alles Negative zu konzentrieren. Ohne einen etwas genaueren Blick auf die Schulpraxis zu werfen, fordern viele Bildungspolitiker, dass diese Art des Unterrichtens schleunigst aus unseren Schulen zu verbannen ist. Doch zum Glück ist dies noch nicht geschehen.

Was ist nur los im Schulbereich, dass ein so unsinniges didaktisches Generalrezept wie das Abschaffen des Frontalunterrichts überhaupt ernsthaft in Erwägung gezogen wird? Liegt es am ideologisch gefärbten Wort Frontalunterricht, dass sich die Gemüter derart darüber erhitzen können? Man kann sich ja wirklich die verrücktesten Sachen unter dieser unglücklichen Wortschöpfung vorstellen, angefangen vom Schützengraben über den Lehrermonolog bis hin zur Frontstellung gegen die eigenen Schüler. Allein schon diese möglichen Missverständnisse zeigen auf, dass wir besser vom gemeinsamen Klassenunterricht statt vom Frontalunterricht sprechen sollten.

Der gemeinschaftsbildende Klassenunterricht umfasst im Schulalltag eine ganze Reihe unverzichtbarer Lernformen. Werden diese im richtigen Zeitpunkt und gut dosiert verwendet, ermöglichen sie den besten Lernerfolg und sind bezüglich Aufwand den individualisierenden Lernformen bei weitem überlegen. Informieren über wesentliche Inhalte, Erklären eines Sachverhalts oder einer Matheaufgabe im Rahmen des Ganzklassenunterrichts hat auch im modernen Unterricht seinen festen Platz. Zu den „frontalen Unterrichtsformen“ gehören lebendige Erzählungen mit Dialogphasen zum Geschehenen, welche bei den allermeisten Schülerinnen und Schülern sehr beliebt sind. Gemeinsames Trainieren von Sprachübungen macht Jugendlichen Spass, wenn sie sich vorher in Partnerarbeit auf das sportliche Finale im Klassenrahmen vorbereiten konnten. Diese Aufzählung der Lernformen, die unter dem blöden Sammelbegriff Frontalunterricht laufen, ist damit nicht abgeschlossen.

Selbstverständlich muss eine Lehrkraft über eine breite Palette der Unterrichtsformen verfügen. Es gilt, immer wieder abzuwägen, welche Methoden am wirkungsvollsten sind. Manchmal sind individuelle Lernsequenzen tatsächlich besser als zu lange Erklärungen im Rahmen der ganzen Klasse. Kinder müssen immer wieder eigene Erfahrungen machen und in einem abgesteckten Rahmen auch experimentieren können. Dieser Raum des freien Lernens kann erweitert werden, wenn Jugendliche über grundlegende Arbeitstechniken und über ein gefestigtes Arbeitsverhalten verfügen. Wird das Feld aber zu früh geöffnet, ist das Chaos an vielen Klassen geradezu vorprogrammiert.

Ich finde es höchste Zeit, dass Schlagwörter wie Frontalunterricht schonungslos auseinandergenommen werden. Wir können es uns nicht mehr leisten, amateurhaft über Didaktik zu sprechen, wie dies gegenwärtig der Fall ist. Wenn wir unsere Volksschule auf hohem Niveau haben wollen, müssen wir Lehrkräfte endlich sagen, dass die Lernprozesse viel komplexer sind. Wir wollen neue Wege gehen, aber sicher nicht kopflos unter dem Druck einer zu Aktionismus neigenden Bildungspolitik didaktische Fundamente aushöhlen.

Ich finde, dass dieses Schulforum einem grossen Bedürfnis entspricht und einen festen Platz in der bildungspolitischen Diskussion bekommen sollte. Nur so kann die Schulwirklichkeit lebendig abgebildet und die Dinge differenziert beim Namen genannt werden.
PENS_sekfred Offline

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Beiträge: 25

22.03.2009 15:45
#9 RE: These 1: Die öffentliche Volksschule kann viel ... Schlagwort Frontal-Unterricht antworten
@SEKelevator: Ich kann deinen Beitrag uneingeschränkt unterschreiben.

Die Wahl der Unterrichtsform ist aus meiner Sicht etwas absolut Persönliches. Wenn ich als Lehrperson mit einer bestimmten Unterrichtsform nicht klar komme, wird sie meinen Unterricht nie verbessern. Das hat nichts mit sturer Gestrigkeit zu tun. Nach den Moden zu tanzen war noch nie ein Qualitätsausweis.

Ich erinnere mich an die unseligen Missionierungsversuche an uns „Didaktik-Eunuchen“ von der Oberstufe. Wer keinen Wochenplan oder Werkstattunterricht präsentieren konnte, galt als Fossil.

Die Wirkung verschiedener „alternativer Unterrichtsformen“ wurde in der Vergangenheite masslos überschätzt. Aufgrund einzelner positiver Erfahrungen (in speziellem Umfeld), wurde in unzulässiger Weise auf Allgemeingültigkeit geschlossen. (Ebenso fahrlässig, wie damals die Propagierung antiautoritärer Erziehungsformen à la Summerhill).

Die Grundvoraussetzung für einen lebendigen und erfolgreichen Unterricht ist für mich immer noch die Freude an den zu vermittelnden Inhalten (Sprache, Mathe, …). Die Bedeutung dieser Erfahrungstatsache wird in der aktuellen Lehrerausbildung ganz sträflich missachtet. (Fachkenntnisse auf dem jetzigen Maturaniveau genügen zumindest an der Oberstufe nicht)

Etwas provokativ formuliert: Mit dem Züchten unterrichtstechnokratischer „Dompteure“ werden die Weichen klar falsch gestellt. Ein enger, auf „Ich-AG“ getrimmter Horizont, sowie das völlige Fehlen eines bildungspolitischen Bewusstseins, kennzeichnen die neueste Absolventengeneration. Wo liegen die Gründe für diesen „Kulturwandel“ im Selbstverständnis der „neuen“ Lehrpersonen? (> These 9)
SEKcarson Offline

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Beiträge: 33

23.03.2009 16:59
#10 RE: Benchmarking auf jeder Ebene antworten

Danke, andere Elternschule für die Ermunterung! Wir tun schon was, aber es kommt nicht überall gleich gut an. Manchmal schreiben wir Leserbriefe, manchmal gehen wir auf die Strasse. Oft müssen wir uns sagen lassen, wir seien zu empfindlich und würden uns zu sehr beklagen. Wir werden von vielen beneidet, weil wir mehr Ferien haben, aber viele arbeiten nicht siebzig Stunden in der Woche, um sich die Ferien im Voraus zu verdienen. Wir haben uns gegen gewisse Reformen gewehrt, weil diese nicht durchdacht waren, zu früh, zu schnell, zu viel aufs Mal wollten, und kaum finanzierbar sind. Es hiess dann, wir seien ewiggestrig und reformfeindlich.

Doch die Reform findet in unseren Schulzimmern täglich statt. Ich muss mich dauernd der Situation anpassen, den Unterricht so gestalten, dass meine Schüler profitieren, auch wenn die Begleitumstände schwierig sind. Wenn ich im Englisch-Unterricht fünf verschiedene Niveaus gleichzeitig unterrichten muss (Sek C und B, Fremdsprachige, Lernzielbefreite und Neuzugezogene ohne Vorkenntnisse), dann reformiert sich mein Unterricht von selbst. Es bleibt mir allerdings immer weniger Kraft und Lust, mich auch noch politisch zu engagieren. Wenn ich etwas bewirken will, das nachhaltig ist, mache ich das lieber direkt mit meinen Schülern. Da warte ich nicht, bis man mir irgend eine Methode von oben verordnet, sondern ich entwickle sie selber. Wir probieren aus, die Schüler und ich. Manchmal gelingt uns etwas besonders gut, und das ist ein Highlight im Schulalltag. Bewährtes wiederholen wir, bis es die Schüler von selber tun.

Ein Beispiel - "Das Schneeballprinzip":
Ein Schüler mag nicht mehr schreiben, oder er ist schon fertig. Ich zeige ihm eine neue Lerntechnik, um sich die Wörtchen mal anders zu merken. Sobald er versteht, wie's geht, kann er die nächsten zwei Schülerinnen instruieren. Diese können dann je wieder mit zwei Anderen trainieren. Jeder hat so den Stoff zwei- bis drei mal wiederholt und sich eine Lerntechnik angeeignet, die er auch zu Hause anwenden kann. Ich habe es nur ein mal erklären müssen, dann wende ich mich wieder anderen Schülern zu, die Fragen haben oder Hilfe brauchen.

Einige kleine, nützliche Nebeneffekte des "Schneeballprinzips": Die Schüler müssen sich bewegen; sie arbeiten mit immer anderen Kollegen zusammen, auch wenn sie diese nicht so mögen; der Unterricht ist dynamisch, abwechslungsreich, kurzweilig und den momentanen Bedürfnissen der Schüler angepasst. Und: manchmal kann ein C-Schüler dem B-Schüler erklären, wies geht - was könnten wir Besseres tun für die soziale Integration und das Selbstwertgefühl der Kinder?

Übrigens: Frontalunterricht ist ein fester Bestandteil meines Alltags, kommt in jeder Lektion vor, ermöglicht einen gemeinsamen Beginn und Abschluss des Unterrichts, schafft Gemeinschaftsgefühl, und bringt ruhige Phasen, wo man einander zuhört und voneinander lernt. Die Schüler lieben es, wenn ich aus meinem Leben und meinen Erfahrungen im Ausland erzähle! Und wie sonst sollten sie die Sprache lernen, wenn nicht durch Zuhören?

SEK-arco Offline

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Beiträge: 24

28.03.2009 10:52
#11 These 1: Die öffentliche Volksschule kann viel ... Schlagwort Frontal-Unterricht antworten
Hi SEKelevator; uneingeschränkte unterstützung deiner gedankenfolge besonders im grundgedanken: aus der sicherheit des bewährten, authentischen mit engagiertem suchen nach optimierungen zu (noch) besserem, situativ passenderem, stimmigerem, gemeinsamen lernen - als gelebter regelkreis aus:

>> unterricht / interaktion / wirkung / wahrnehmung / reflektion / "bewegung" / vorbereitung >>

"bewegung" umfasst hierbei primär das, was ich in mir zu verändern/optimieren vermag"

Ich anerkenne, dass bildungswissenschaft didaktische formen misst und vergleicht. Sie findet (marginale) güteunterschiede, welche unter den konkreten - nie gänzlich vergleichbaren rahmenbedingungen - sich ergeben müssen; soweit OK und oft gar hilfreich, bei der reflektion eigenen unterrichts.

Die unbestrittene fundamentalwahrheit aber, dass die interagierenden menschen die weit wichtigere grösse und gelingensbedingung (auch) für erfolgreichen unterricht darstellen, wird ausgeblendet. Da wo unterricht nicht funktioniert, ist kommunikation und interaktion gestört, vielleicht unmöglich und die form des unterrichts nicht ursache, sondern allenfalls symptom eines misstandes - dies meine erkenntnis aus 30 jahren unterrichtserfahrung; eigener wie in kollegialer nähe miterlebter oder als parallellehrer "abgefederter" negativenergie "bewegter" schülerInnen.

Zwei Std Monolog eines Arnold Hottinger über hintergründiges zu Nahost, ohne wunsch oder notwendigkeit, mit fragen zu unterbrechen, war erlebter Frontalunterricht erster güte während meiner ausbildung zum UN-militärbeobachter (sic).

sek-arco

SEKcarson Offline

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Beiträge: 33

05.04.2009 21:39
#12 RE: These 1: Die öffentliche Volksschule kann viel ... Schlagwort Frontal-Unterricht antworten

Interessanter Schulbesuch mit anschliessender philosophischer Diskussion: Dank der Tatsache, dass in unseren A-Klassen 28 SchülerInnen sitzen, gibt es im Fremdsprachen-Unterricht 3 Lektionen Team-Teaching. Das erlaubt mir, mit kleinen Gruppen intensiv mündlich zu arbeiten. Der Besuchende findet das sehr toll.

Ich weise ihn darauf hin, dass dazu im Normalfall die Zeit fehlt, und wir dies mit anderen Klassen nur selten tun können, und nicht ohne den Rest der Klasse mit schriftlichen Aufträgen sich selber zu überlassen. Er fragt, ob denn nicht die mündlichen Fähigkeiten viel wichtiger seien? Ja, schon, aber unsere A-Schüler müssen sich auf Aufnahmeprüfungen und Eignungstests für KV- und andere anspruchsvolle Lehrstellen vorbereiten, da werden nur schriftliche Fähigkeiten gemessen. Und beim heutigen Stoff-Druck bleibt uns wenig Zeit für echte Kommunikation und Sprachen-Lernen durch Sprachen-Erleben.

Das Erschreckende, was aus diesem Gespräch hervorgeht: Die Erwartungen der Gesellschaft (und der Eltern!) an uns als Schule und an unsere SchülerInnen sind so hoch, dass wir, um diese Erwartungen zu erfüllen, auf Unterrichtsformen verzichten, die zum Erfolg führen könnten. Das ist doch paradox! Statt den Kindern die Zeit, den Raum, die Zuwendung und die Musse zu schenken, die ihnen optimales Lernen ermöglichen würden, fügen wir uns dem Zeit- und Kostendruck und erwarten von den Kindern, dass sie unter erschwerten Bedingungen, in engsten Raumverhältnissen, mit minimaler Unterstützung maximale Leistungen erbringen. Immer mehr, immer früher, immer schneller.

Statt Menschen zu bilden, produzieren wir Brennmaterial für die Wirtschaft, obwohl sich diese selber als menschenverachtend, untauglich und selbstzerstörerisch entpuppt hat. Der Mensch dient der Wirtschaft, und diese dient sich selber und ihrem Wachstum.

Sollen wir uns diesen Erwartungen weiterhin beugen und tun, was die globalisierte Welt erwartet, oder müssen wir unsere Schule umbauen zum schützenden Ort, wo Kinder sich entfalten können? Sollten sich die Eltern nicht auf andere Werte statt nur Leistung zurück besinnen, wenn sie wollen, dass ihre Kinder gesunde, zufriedene Erwachsene werden? Denn, ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass ein ausgebrannter Teenager sehr gut auf die Herausforderungen der Erwachsenenwelt vorbereitet ist...

ELTRosmarie Offline


Beiträge: 9

07.04.2009 23:03
#13 RE: These 1: Fritz Osterwalder: Die öffentliche Volksschule kann viel aber nicht ... antworten
Alles ist im Wandel - die Politik, die Gesellschaft, ihre Werte, das Klima -aber das gehört hier nicht zum Thema... oder doch?

Die Strukturen vieler Familien sind ganz anders als vor wenigen Generationen. Kleinfamilien und alleinerziehende Elternteile, Patchworkfamilien, alle haben ihre Bedürfnissse. Die Schule sollte dabei meiner Meinung nach eine fruchtbare Ergänzung zum Elternhaus sein. Wie können wir die Arbeit zwischen Schule und Elternhaus aufteilen, damit unsere Kinder sozialen Umgang, selbständiges unabhängiges Denken und Handeln, emotionale und mentale Intelligenz, Fantasie und einen gesunden Körper entwickeln können?

Und wie kann auf die so verschiedenen Elternhäuser eingegangen werden?
Welches sind die Dinge, die eine Volksschule tun kann und was davon ist sinnvoll?
SEK-souvenirs Offline

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Beiträge: 22

08.04.2009 21:53
#14 ELTRosmarie, Gestern 23:03 . antworten
Die Volksschule sollte vor allem eine Schule bleiben, die "vom Volk mitgetragen wird" und nicht eine Schule, die von sog. Bildungswissenschaftlern und einer überdimensionierten Bildungsdirektion, die sich schon lange ihre eigenen Pfründe eingerichtet haben, fern von jeder gerechten Mitsprache der Eltern, der Lehrpersonen, mit monopolistischen und kartellähnlichen und rechtlich sehr fragwürdigen Massnahmen, von oben herab, arrogant und ohne Feingefühl verfügen und befehlen. Früher hiess es, wenn es dir nicht passt, dann geh nach Moskau! Heute heisst es von den "Gewaltigen der Bildungsdirektion", wenn dir die öffentliche Schulen nicht genügen, dann schau dich bei den privaten Angeboten um ...
admin Offline

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Beiträge: 157

12.04.2009 10:33
#15 These 1: Erzdirektion mit wenig Bezug zur Realität! antworten
Die Erzdirektion hat keine klare Linie und wenig Bezug zur Realität!
Sie versucht den komplexen Problemen der Gesellschaft mit unsinnigen Bildungsreformen zu begegnen oder lässt sich von wissenschaftlichen Studien zu vorschnellen Änderungen im Schulsystem hinreissen. Statt Probleme zu lösen, werden nur neue geschaffen.

Überlegungen einer erfahrenen KG-Lehrperson am Beispiel Basisstufe:

Die Organisation des Unterrichts wird noch viel komplizierter und aufwändiger. Wem dient das? Es bleibt weniger Zeit und Ruhe um auf die Bedürfnisse der jüngeren (1.KG-Jahr) oder schwächeren Kinder einzugehen, denn der Schulstoff ist dauernd präsent. Das bringt gute Lehrkräfte zum Verzweifeln. Es wird noch mehr Leistungsdruck entstehen, da die Erwartungen der Eltern nicht lange auf sich warten lassen.

Das Niveau wird sinken, denn die Heterogenität ist jetzt schon gross genug. Durch die Einführung der Basisstufe wird sie überstrapaziert. Die Lehrkräfte werden mit Arbeitsüberlastung, Problemen mit dem Teamteaching, ungeeigneten Unterrichtsräumen, unbefriedigender Entlöhnung und und und zu kämpfen haben. Das brauchen die Kinder und wir Lehrkräfte nicht!

Lasst doch so etwas nicht zu!

(im Auftrag eingefügt für rosengarten BE durch Admin)
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